Die Kinderkreuzzüge

Um 632 stiftete der Araber Mohammed eine neue Religion, die Islam. In Europa achtete kaum jemand darauf. Innerhalb wenigen Jahren eroberten Muslime große Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas . Auch Teile von Europa wurden erobert. Christliche und Jüdische Wallfahrtsorte standen jetzt unter muslimischem Einfluss.

Für die Christen des Mittelalters war vor allem Jerusalem ein wichtiger Wallfahrtsort. Jährlich gingen sehr viele Gläubige in die Heilige Stadt. Auch unter muslimischer Herrschaft war das noch möglich. Doch Mitte des 11. Jahrhunderts wurde es fast unmöglich Jerusalem zu besuchen. Die Türken  eroberten Gebiete im Nahen Osten und brachte Jerusalem unter ihrer Kontrolle. Das christliche Byzantinische Reich kam auch in Gefahr und Papst Urban II wurde um Hilfe gebeten.

Der Papst rief im November 1095 die Gläubigen auf, gegen die Türken in den Krieg zu ziehen und Jerusalem wieder für christliche Pilger zugänglich zu machen. Viele Gläubige fühlten sich zu diesem ‘Heiligen Krieg’ berufen. Diese Aufbruchstimmung wurde nicht nur von religiösen Motiven geprägt. Die Bevölkerung wuchs und die Pilger hofften durch ihren Einsatz auch neue Ländereien zu gewinnen.

Nicht nur Ritter und deren Herrscher nahmen an den Kreuzzügen teil. Auch das normale Volk zog mit. In 1212 zogen minderjährige Kinder in den Heiligen Krieg, der sogenannte Kinderkreuzzug. Es schlossen sich dabei auch zehntausende Besitzlose aus Frankreich und vom Niederrhein an.

Dieser Kinderkreuzzug hatte in Köln angefangen. Ein Junge, Nikolaus, predigte im Kölner Dom. Er erzählte den Leuten von Jerusalem und von seinem Wunsch mal dahin zu reisen. Er wollte das Land von den Muslimen befreien. Er versprach die Menschen ein Wunder: Auf dem Weg zum Heiligen Land sollte das Mittelmeer sich teilen, damit man zu Fuß und ohne nass zu werden nach Jerusalem ziehen konnte. Die Leute dachten damals Nikolaus sei ein Prophet Gottes.

Als Nikolaus im Sommer seine Pilgerfahrt organisierte, folgten ihm 20000 Menschen. Das waren vor allem Kinder, aber auch Frauen, Mönche und alte Leute schlossen sich an. Heutzutage denkt man, dass diese Anzahl übertrieben ist.

Die Kinder waren wochenlang ohne Essen und Trinken zu Fuß unterwegs. Sie hatten keine Pferde oder Wagen, sie mussten betteln um Essen zu bekommen.. Sie hatten keine Waffen dabei, denn sie glaubten daran, nur mit Hilfe ihres Glaubens und die Unterstützung Gottes Jerusalem befreien zu können. Für viele Kinder war die extrem lange Wanderung, unter diesen Umständen, zu anstrengend. Sie wurden krank und viele starben.

Beim Mittelmeer angekommen, vollzog sich kein Wunder, das Mittelmeer teilte sich nicht. Was danach geschehen ist, weiß man nicht genau. Wahrscheinlich haben ein paar Kinder versucht, nach Köln zurückzugehen. Vermutlich haben nur wenige das geschafft.

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