Der Keuschheitsgürtel

In 1405 wurde im Buch ‘Bellifortis’ von Konrad Kyeser von Eichstätt, zum ersten Mal ein Keuschheitsgürtel erwähnt. Wozu dieser Gürtel diente, wurde nicht beschrieben.  Lange ging man davon aus, dass er zu den mittelalterlichen Religionskriege gehörte, weil es so in den Geschichtsbüchern stand.

Die Kreuzritter wären lange zur Orient unterwegs um die Muslimen aus Jerusalem zu vertreiben und den christlichen Glaube zu verbreiten. Weil sie oft ein paar Jahre unterwegs waren, wollten sie verhindern, dass die Frauen Liebhaber nehmen würden. Die Frau sollte einen eisernen Keuschheitsgürtel tragen, die dem Unterleib fest verschloss. Der Ritter sperrte den Gürtel zu und nahm den Schlüssel mit. Als er nach seiner Reise wieder daheim war, sperrte er das Schloss auf.

Diese Gürtel wurden in unterschiedliche Museen gezeigt und die Geschichte wurde als wahr empfunden. Erst später stellte sich heraus, dass es sich wahrscheinlich um eine im Barock erfundene Geschichte handelt. Nachdem das bekannt wurde, verschwanden die Gürtel aus den meisten Museen. Wozu und ob diese Gürtel im Barock benutzt wurden, bleibt immer noch unklar.

In 1889 behauptete der Volkskundler Anton Pachinger, er habe in Linz, Österreich, in einem Grab ein Skelett einer jungen Frau gefunden, die im 16. Jahrhundert gestorben sei. Sie habe einen Keuschheitsgürtel getragen. Leider ist dieses Fundstück verloren gegangen und damit der eventuelle Beweis.

Historiker gehen davon aus, dass es sich hier um ein Mythos handelt, mit dem Ziel das Mittelalter finster aussehen zu lassen. Vor allem Medizinhistoriker bezweifeln, dass Frauen diesen Gürtel über längere Zeit tragen konnten, weil die hygienischen Bedingungen in der Zeit sehr schlecht waren. Die damals verwendete Materialien, würden die Haut scheuern und zu Infektionen führen. Dazu kommt, dass der Gürtel anatomisch nicht passen würde und sich dadurch Urin und Menstruationsblut im Gürtel sammeln konnte. Eventuelle Infektionen waren damals lebensgefährlich.  Man hatte noch nicht viele Möglichkeiten diese zu heilen.

Andere Geschichten erzählen von dem Dogen von Venedig, der den Gürtel benutzte um die Prostituierten zu zwingen ihre Steuerschulden zu zahlen. Im 19. Jahrhundert wurden ähnliche Gürtel in England von Dienstmädchen getragen um Vergewaltigung zu verhindern. Sie wurden auch benutzt durch Kinder und Jugendliche, um sie von Masturbation abzuhalten. Das wurde in der Zeit noch als krankhaft angesehen.

Heutzutage wird der Keuschheitsgürtel vor allem als Gegenstand, den man in erotischen Rollenspielen benutzen kann, betrachtet.