Reinhold Begas war einer der berühmtesten Bildhauer seiner Zeit. Damals war er schon sehr beliebt und auch berühmt. Begas war ein Propagandist der wilhelminischen Monarchie und ein Protagonist des wilhelminischen Kunststils (oder Historismus).
Kennzeichnend für diesen Stil ist die Nachahmung verschiedener historischen Baustilen, wie Barock. Wegen der Industriellen Revolution, der wachsenden Bevölkerungszahl und des neuen Bürgertums, das daraus entsteht, gibt es diese Epoche keine Zeit einen eigenen Kunststil zu entwickeln. Die Antike, die Barock und die Gotik werden als Vorbilder genommen.
Begas identifizierte seine Kunst mit dem Interessen und dem Geschmack des Kaisers. Das wurde seinen Namen nach dem Untergang der Monarchies fatal, obwohl er diesen Untergang selber nie erlebt hat. Er starb 1911.
Psyche (Seele) ist die jüngste und schönste Tochter eines Königs. So schön ist sie, dass alle Menschen aufhören Venus, die Göttin der Liebe und Schönheit , zu verehren. Sie ist darüber verärgert und ruft ihren Sohn Amor, Cupido, bei sich. Sie befiehlt ihn, Psyche anbei zu bringen, sich in einen schlechten Mann zu verlieben.
Apollon, das Orakel, fordert Psyches Vater auf, seine Tochter in einem Brautkleid auf eine einsame Bergspitze zu schicken. Dort soll sie den furchtbaren Dämon heiraten. Amor aber, der selber Interesse an die schöne Psyche hat, fordert Zephyr, dem Herrn der Winde, auf sie in ein Schloss zu bringen. Amor besucht sie hier jede Nacht, während er tagsüber verschwindet. Sie bekommt ihn also nie zu Gesicht. Weil Psyche sich sehr einsam fühlt, erstattet er ihr einen Besuch ihrer Schwestern. Sie darf aber nicht versuchen herauszufinden wer er sei.
Die Schwestern sind am Anfang froh Psyche besuchen zu können. Nach einer Weile werden sie neidisch auf die, inzwischen, schwangere Psyche. Sie überzeugen ihr davon , dass Amor in Wirklichkeit ein Drache ist, der die Absicht hat sie zu verschlingen. Sie raten ihr, Amor in der Nacht umzubringen. Deswegen wartet sie mit Messer und Öllampe auf ihn.
Wenn sie Amor beleuchtet und ihn sieht, verliebt sie sich sofort. Sie bemerkt nicht, dass ein Tropfen heißen Öl auf seine Schultern fällt. Er fühlt sich angegriffen und fliegt davon.
Psyche stürzt sich von einer Klippe herunter, aber wird durch den Flussgott gerettet. Dort sitzt Pan, der ihr empfiehlt , Amor zu suchen.
Inzwischen hat Venus von der Liebe zwischen Psyche und Amor gehört. Sie ist wütend, dass ihr Sohn ihre Befehle missachtet hat. Venus zwingt darauf Psyche, um lebensgefährliche Aufgaben für sie zu erledigen.
Dank der Hilfe von verschiedenen Tieren und Gegenständen gelingt es ihr, die Aufgaben zu lösen. Bei der letzten Aufgabe öffnet sie ein Kästchen mit Schönheit, das für Venus gemeint war. Statt Schönheit ist ein Todesschlaf enthalten. Sie fällt sofort in einen todesähnlichen Schlaf.
Inzwischen ist die Wunde Amors geheilt und er will Psyche retten. Es gelingt ihm, den Todesschlaf von Psyche abzuputzen. Darauf wacht Psyche auf. Sie liefert das Kästchen bei Venus ab und Amor fragt Jupiter um Erlaubnis Psyche zu heiraten. Jupiter gibt Psyche einen Becher mit Ambrosius zu trinken, wodurch sie unsterblich und göttlich wird. Jetzt würde nichts mehr eine Hochzeit unter Göttern im Wege stehen. Die beiden bekommen eine wunderschöne Tochter, die sie Voluptas (Wollust) nennen.
Pan ist ein griechischer Gott. Er ist der Gott des Waldes und der Natur. Die Hirten verehren ihn. Er liebt Tanz, Musik und Fröhlichkeit. Die Mittagsstunde ist ihm sehr wichtig und er kann sehr böse werden, wenn er gestört wird. Er jagt dann zum Beispiel die ruhenden Herdentiere zu Massenflucht auf. Das Wort Panik ist hiervon abgeleitet. Er ist mehr Tier als Mann. Normalerweise benimmt er sich frech, erotisch und ungöttlich. Er wird in der nachgriechischen Zeit zum Vorbild Teufel aller Art.
Die Skulptur ist aus weißem Marmor. Man sieht Psyche und Pan, die zusammen sitzen. Psyche beklagt sich bei Pan über ihre Neugier und die Folgen, die daraus entstanden sind. Ganz entgegen seiner Natur, versucht er sie nicht erotisch zu bemächtigen, sondern bietet auf behutsame Weise Seelentrost. Sie wischt ihre Träne während er ihr hilfslos ansieht. Er legt den Arm väterlich über ihre Schultern.