In England entstand Ende des 18. Jahrhunderts die ‘Arts and Crafts Movement’. Sie war eine Reaktion auf die Industrialisierung, die Ende des 18. Jahrhunderts in Europa immer mehr ihren Einfluss hatte. Die Bevölkerung in Europa war seit Mitte des 18. Jahrhunderts nach und nach gewachsen. Es entstand dadurch ein Reservoir an Arbeitskräfte und zugleich entstanden neue, effektivere Produktionsmethoden um die Menschen zu versorgen. Es wurden immer mehr Produkte mechanisch hergestellt . Das Handwerk wurde weniger wichtig.
England hatte damals zwei Vorteile: ihre Wirtschaft war kapitalkräftig und es lebten dort viele Erfinder. In Deutschland und Österreich setzte die Industrielle Revolution erst später durch. Die Adel hatte noch viel Macht.
Einer der Hürden für die Industrielle Revolution in Österreich war das Ansiedlungsverbot für Fabriken. Das verhinderte, dass sich industrielle Betriebe anschließen konnten. Außerdem hatte Österreich eine lange Kriegszeit hinter sich, wodurch wenig Kapital vorhanden und eine Inflation entstanden war.
Franz I wollte zwischen dem Wiener Kongress (1815) und die Industrielle Revolution in 1848 die Industrialisierung aufhalten, alles musste bleiben so wie es war. Er hatte Angst, dass die Industrielle Revolution das Land und seine Traditionen vernichten würde. Es wurde eine Zensur auferlegt, die sich unter anderem auf bildliche Darstellungen, Buchillustrationen, Landkarten und literarische Werke bezog.
Trotzdem konnte der Kaiser die Industrielle Revolution nicht aufhalten. Die unterdrückten Bürger setzen sich durch und bekamen mehr Einfluß. Die Zeit der Manufaktur (Handwerk) ging langsam zu Ende. Die Adel verlor an Bedeutung und Macht. Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Österreich als industrialisierter Agrarstaat bezeichnet.
Auf dem Land setzte sich die Industrialisierung nur langsam durch.. In der sogenannten Gründerzeit (Ökonomische Bezeichnung für das Vierteljahrhundert zwischen der Revolution 1848 und dem Börsenkrach 1873) begann die Industrialisierung sich in Wien, Böhmen und Mähren durchzusetzen. Deswegen kamen viele Leute von dem Land um sich in die Stadt niederzulassen. Die Stadt Wien wurde schon am Anfang des 20. Jahrhunderts zu der fünftgrößte Stadt in Österreich.
In den Städten entstand Wohnungsnot. Es waren noch nicht genügend Industriebetriebe angesiedelt um für alle Arbeit zu schaffen. Hohe Arbeitslosigkeit und eine Wirtschaftskrise waren die Folge. Kleine Betriebe, die bisher selbstständig gewesen waren und ein gutes Auskommen hatten, mussten ihre Selbstständigkeit aufgeben. Sie mussten Arbeiten zu niedrigen Löhnen annehmen um überhaupt überleben zu können. Die Manufaktur verschwand fast ganz. In den Fabriken musste man 14 stunden pro Tag arbeiten für ein kleines Lohn. Um als Familie überleben zu können, mussten sogar Kinder mitarbeiten.
Im Zuge der Industrialisierung gründeten sich neue Firmen in Österreich und es entstanden hochqualifizierte Produkte in zum Beispiel der Seidenindustrie.
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Jugendstil ist eine internationale Kunstströmung, die um 1880 entstand und bis 1914 ihre Blütezeit hatte. Sie hatte ihre Wurzeln in dem ‘Arts and Crafts Movement’ . Die Jugendstil versucht eine Antwort zu finden auf die Industrialisierung. Das Ziel ist die Manufaktur zu bewahren.
Der Name 'Jugendstil’ wird vor allem in Deutschland und Österreich verwendet. Er ist benannt nach der Münchener Zeitschrift ‘Die Jugend’ . Außerhalb Deutschlands und Österreichs wird diese Strömung ‘Art Nouveau’ genannt. Jugendstil hat zu dieser Zeit den Ruf, vom Stil her eine moderne, junge, originelle Bewegung zu sein.
Künstler des Jugendstils versuchen Kunst im alltäglichen Leben zu integrieren. Kunst soll vorhanden und erlebbar sein und eine Einheit bilden. Handwerk soll nicht nur funktional sondern auch ästhetisch sein. Das Kunsthandwerk soll den Handwerker wie auch den Benutzer Freude bereiten.
Jugendstil sieht man in Möbeldesign und Architektur, Schmuck und Glaswaren, in der Malerei und Bildhauerei. Äußere Kennzeichen für den Jugendstil sind dekorative, fließende Linien, geometrische Formen, Ornamente (Blumen) und Verwendung von symbolischen Gestalten.
Die Künstler versuchen die Natur nachzuahmen, sie leiten hiervon Formen und fließende Linien ab (Naturalismus). Tiere werden als Symbole verwendet. Diese symbolisch verwendete Tiere stehen für ein bestimmtes Ziel oder Tugend (Symbolismus)
In der Malerei (Gemälde, Grafiken, Buch- und Textilmalerei) kommt Jugendstil sehr stark zum Ausdruck. In der Zeit sind die herrschenden Kunststile Neubarock und Neugotik (Historismus). Diese Stile beschäftigten sich mit der Vergangenheit und traditioneller, bekannter Kunst. Die Jugendstilkünstler finden diesen Stil nicht zeitgemäß und sie versuchen ihre eigene Individualität zu bewahren und neue, originelle und eigene Werke zu schaffen. Damit grenzen sie sich gegen die Industrialisierung ab, weil sie glauben, dass der Mensch in dem alltäglichen und wirtschaftlichen Leben an Wert verliert. Der Mensch wird ein Teil eines großen Prozesses, wo er seine eigene Ideen schlecht ausdrücken kann. Der Handwerker kann nicht mehr seine Einzelstücke herstellen, alles wird zur Massenproduktion.
Nicht nur in der Kunst und Architektur spielte der Jugendstil eine Rolle. Auch bei der Gestaltung der Inneneinrichtung oder in Bezug auf Möbel, waren die, auf die Natur inspirierte geschwungene Linien und die florale Elemente, wichtig. Die natürlichen Formen von Pflanzen und auch teilweise Tiere werden nachgeahmt und ins Mobiliar und Gegenstände eingearbeitet.
Möbel bestanden aus dunklem Hartholz, durch feine Holzschnitzereien verfeinert. In der Inneneinrichtung dominierten vor allem Pastelltöne. Holz wurde lackiert, damit es glänzte.
Ein weiteres Merkmal war das Streben nach Funktionalität. Außerdem sollte der Gegenstand die Ästhetik eines Kunstwerks besitzen. Kunst und Objekt sollten eine Einheit bilden. Man kann zwei Strömungen unterscheiden:
Neben Asymmetrie wurden 3 Typen von Ornamente verwendet:
Die Vase ist aus rosa Glas hergestellt und kommt aus Deutschland. Vermutlich ist sie um die Jahrhundertwende produziert. Die Form der Vase ist wie eine Kelche. An beiden Seiten befindet sich eine Blume, eine Narzisse. Das Glas der Vase ist transparent. Nur die Blume liegt auf dem Glas, sie ist graviert und dadurch mattiert.
Es sieht aus als ob sie aufgeklebt wurde . An der rechten und der linken Seite befinden sich zwei Streifen. Die Vase ist etwa 15 Zentimeter hoch und 8 Zentimeter breit. Form und Funktion der Vase stimmen überein. Die Blumenvase eignet sich sehr gut für einen kleinen Strauß Blumen wie Narzissen.