Gustav Klimt wird 1862 in Baumgarten, ein Vorort von Wien, geboren. Er hat noch zwei Brüder, auch Künstler. Sein Vater ist Goldschmied.
Als er 14 Jahre alt ist, geht er auf die Kunstgewerbeschule. Er beginnt mit Theaterdekorationen und Deckenmalereien in Wien. Als er 1883 die Schule verlässt, gründet er zusammen mit seinem Bruder Ernst und seinem Freund Franz Matsch ein eigenes Atelier. Sie malen noch immer Wände und Decken (Wiener Burgtheater). Sie konzentrieren sich dabei auf ornamentale Bilder, die sie für Architekten entwerfen. Nebenbei malt er als Porträtist.
Wenn sein Bruder 1892 stirbt, endet auch die Zusammenarbeit mit seinem Freund Franz. Er fängt an sein Gemälde ‘Philosophie’ zu malen. Für die Universität von Wien malt er drei Gemälde. Diese Gemälde werden als pornografisch und hässlich bewertet.
Auf der Suche nach einem eigenen Stil, entfernt er sich von der traditionellen Stil. 1897 gründet er mit 19 anderen Künstlern den Kunstverein ‘Secession’ und schon schnell wird er der Präsident. In seinen Werken werden oft florale Motiven und Ornamente verwendet. Charakteristisch sind die fließenden Linien, die zweidimensionale Flächenkunst und die geometrisch-spiralförmigen Formen. Dadurch entsteht in seinen Bildern ein Eindruck von Lebendigkeit. Gerade durch die Verwendung von Symbolen macht Klimt es möglich, die alte Tradition in die neue Kunstrichtung zu integrieren. In seiner ‘goldenen Periode’ benutzt er Blattgold, Silber und leuchtende Farben in seinen Gemälden. Die Muster sind mosaikartig.
In Klimts Kunst steht die Freude zum Leben zentral. Klimt benutzt seine Kunst um sich mit existentiellen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen. In seinen Bildern sind Leben und Tod, Freude und Angst, Gesundheit und Geburt die wichtigsten Themen. Er gibt dem Leben einen erotischen Ausdruck. Er wird durch die griechischen Götter Eros (Gott der Liebe) und Thanatos (Gott des Todes) beeinflusst.
Klimt malt am liebsten Landschaften und Menschen, insbesondere Frauen, die er verehrt. Das hat einen großen Einfluss auf seine Kunst. Oft stehen nackte und erotisch dargestellte Frauen im Mittelpunkt seiner Werke. Er versucht mit seiner Arbeit, den Mythos der Frau zu ergründen.
Die ‘Secession’ entwickelt sich schnell zur Hochburg des Jugendstils. 1905 verlässt er die Gruppe, weil innerhalb der Gruppe Uneinigkeiten entstehen. Später zerstören die Nationalsozialisten die Gemälde, die er für die Universität von Wien gemalt hat.
Noch während seines Lebens kämpft Klimt um Anerkennung als Künstler. Er wird von vielen verpönt und vor verrückt gehalten, weil nackte und direkt erotische Darstellungen von Frauen ein wiederkehrendes Thema für seine Kunst sind. In der Zeit wird das als obszöne Kunst gesehen und wird öffentlich kritisiert.
In den letzten zehn Jahren zieht Klimt sich in sein Atelier zurück um sich seiner Malerei zu widmen. Er lässt sich von der Natur inspirieren, seine Landschaftskunst entsteht. Frauen bleiben ein wichtiges Thema. Klimt hat mehrere Liebhaberinnen in seinem Leben. Er heiratet jedoch nie . Seine längste und intensivste Freundschaft pflegt er mit Emilie Flöge.
Gustav Klimt stirbt am 6. Februar 1918 in Wien an den Folgen eines Schlaganfalls. Er wird heutzutage als der wichtigste Maler seiner Epoche gesehen.
Im 4. Jahrhundert eroberte der Goldgrund, die goldene Farbe als Hintergrund, von Byzanz aus, Europa. Dieser Goldgrund wurde ursprünglich nur für Heiligen- und Herrscherbildnisse benutzt. Gold war ein Symbol für die Sonne und stand für die transzendente Sphäre des Göttlichen. Klimt hatte in Ravenna und in Venedig schon goldene Mosaiken gesehen. Er wollte das Metall nur als Dekoration benutzen. Unbewusst kam mit dem Gebrauch von Gold auch eine andere Bedeutungsinhalt.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Verwendung von Gold und das Goldmosaik das Kennzeichen des erneuten Interesses am Mittelalter. Es ging nicht darum eine religiöse Stimmung zu erregen, sondern einen kostbaren Glanz.
Der Goldgrund wurde vom Künstler bewusst eingesetzt um die ikonische Bedeutung der Figuren zu zeigen. Es geht bei Klimts Gemälde nicht nur um den Hintergrund, sondern auch um die Kleidung, die mit Gold ausgeführt wurde. Um wichtige Akzente zu setzen hat er Buntfarben spärlich verwendet. Dadurch sehen sie wie Edelsteine auf einer goldenen Fläche aus. Seine Gemälde erinnern an russische Metallikonen.
‘Der Kuss’ zeigt uns ein Mann und eine Frau, die sich eng umschlungen, auf die Knien gesetzt haben. Der Mann hält den Kopf seiner Frau und versucht sie zu küssen. Die Frau schmiegt sich eng an den Mann und legt ihren Arm um seinen Hals. Das gemalte Bild ist zum größten Teil zweidimensional dargestellt, nur die Gesichter, Hände und Füße sind dreidimensional.
Die Gegenüberstellung von den fließenden Linien des Körpers und die linear-dekorativen (gerade Linien) Elementen ist typisch für Klimts Werke am Anfang 1900. Die Schönheit der Frau und die Kraft des Mannes (klassische Gegenüberstellung) sieht man auch in der Ornamentierung zurück. Der Umhang des Mannes ist mit rechteckigen Formen verziert, die Frau trägt ein Kleid mit fließenden Blumenmotiven.
‘Der Kuss’ war ein typisches Thema von Symbolismus und Jugendstil in der Zeit nach 1900, wo vor allem Liebe, Tod und Sexualität die Künstler beschäftigten. Das besondere an ‘Der Kuss’ ist, dass der Akt des Kusses nicht thematisiert wird, sondern der Moment davor.
Das Liebespaar soll Klimt und Emilie Flöge darstellen. Das Paar befindet sich auf einer Blumenwiese am Seeufer (Kammerl am Attersee, wo Klimt eine Villa bewohnte). Die Algen vom Meer spielen an den Beinen des Liebespaares herum.