Beethovenfries Secession

Im Gebäude des Wiener Secession werden Ausstellungen mit modernen Kunst organisiert. Die vierzehnte Ausstellung in 1902 wurde Beethoven gewidmet. Max Klinger fertigte ein Standbild von Beethoven an, das in der Mitte des zentralen Saales hingestellt wurde.  Gustav Klimt malte ein Fries an drei Wänden, die mit Richards Wagners Interpretation des Schlussteils der  9. Sinfonie (‘Ode an die Freude’) und damit mit dem Gedicht Schillers, zu tun hatte. Man kann den Fries wie ein Comic lesen, beginnend an der linken Seitenwand. Die Wände wurden um das Standbild gestellt.

„Der Beethovenfries wird zusammenfassend von drei wesentlichen Neuerungen geprägt: von der monumentalen, flächenhaften Isolierung der menschlichen Gestalt, von der inhaltsbetonenden Funktion der Linie sowie von der dominierenden Rolle der Ornamentik. Die Teilnahme am „Experiment Beethoven“ bildete für Klimt den Auftakt zu den Hauptwerken seiner „Goldenen Periode“. Heute gilt die monumentale Allegorie als Schlüsselwerk in der Entwicklung des Künstlers.“

Dieser Fries ist bis auf heute bewahrt geblieben und steht heutzutage im Keller des Gebäudes, der genau so groß ist wie der originelle Ausstellungsraum.

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Was der Beethovenfries aussagt

Schwebende Genies
An der linken Wand fängt die Geschichte an. Man sieht vier horizontal schwebende Frauenfiguren, die die Augen geschlossen haben.

Leidende Menschheit
Sie führen nach ein vertikales Bild. Dort sieht man zwei nackte Frauen und ein nackter Mann, alle sehr vermagert. Die hintere Frau betet und die zwei Figuren an der Vorderseite stehen gebogen mit den Armen nach vorne gestreckt. Alle figuren haben die Finger verflochten, sie beten und flehen. Es geht die Welt nicht gut, die Menschen brauchen Hilfe.

Klimt schildert hier die Situation, die noch vor der Verbrüderung im Himmel stattgefunden hat. Die Situation ist noch eher chaotisch und undeutlich. Das stimmt mit der ersten und letzten Strophe des Gedichts überein.

Ritter
Hinter der Ritter stehen zwei Frauen, die Linke mit einem Siegeskranz in den Händen. Wenn der Held siegt, bekommt er den Kranz, das motiviert ihn. Er zieht in den Krieg, weil die Welt zum Erbarmen ist.

Die feindliche Gewalten
Es geht der Welt schlecht, weil sie von einem Monster bedroht wird. Dieses Gefühl wird verstärkt durch die Darstellung von Wollust, Unmoral und Maßlosigkeit (zu viel essen). An der linken Seite sieht man, was das Monster verursacht: Tod, Krankheit und Wahnsinn.

Noch mehr nach rechts werden zwei sehr magere Frauen dargestellt. Sie halten sich gegenseitig verzweifelt fest. Hier werden die endlose Schmerzen der Menschheit gestaltet.

Aber Poesie gibt hoffnung auf Freude:

Klimt malt hier, wie unter Trompetenschall der Himmel betreten wird. Danach zeigt er uns wie die Welt besser aussieht mit Kunst, Gedichten und Musik. Das entspricht genau den Idealen der Secession.

Kuss der ganzen Welt
Zum Schluss verbrüdern die Menschen sich.