Hitler war der Meinung, dass das deutsche Volk national sozialistisch erzogen werden musste. Um dieses zu erreichen, wurden alle Aspekte der Gesellschaft ‘nazifiziert’. Die Presse, Radio und Film zum Beispiel kamen unter der Kontrolle der Nationalsozialisten.
Die Nationalsozialisten bestimmten, was deutsche Kunst war. Künstler sollten sich an der Reichskulturkammer anschließen. Dasjenige, dass Jüdisch, links oder pazifistisch war, wurde als entartet bezeichnet. Vor allem progressive Strömungen in der bildenden Kunst nach 1910 wurden dazu gerechnet. An den Universitäten durften keine Juden mehr arbeiten.
Viele Intellektuelle und Künstler wurden gezwungen Deutschland zu verlassen oder sie entschieden sich selber wegzugehen.
„Bis zum Machtantritt des Nationalsozialismus hat es in Deutschland eine sogenannte 'moderne' Kunst gegeben, d.h. also, wie es schon im Wesen dieses Wortes liegt, fast jedes Jahr eine andere. Das nationalsozialistische Deutschland aber will wieder eine 'deutsche Kunst', und diese soll und wird wie alle schöpferischen Werte eines Volkes eine ewige sein. Entbehrt sie aber eines solchen Ewigkeitswertes für unser Volk, dann ist sie auch heute ohne höheren Wert.“
Adolf Hitler, Eröffnungsrede zur „Großen Deutschen Kunstausstellung“, 18. Juli 1937
In der Ausstellung wurden ungefähr 650 Werke von ‘entarteten’ Künstler neben Werke von Geisteskranken gehängt. Sie wollten damit zeigen, dass die ‘entarteten’ Künstler eigentlich moralisch geisteskrank waren und sie hierdurch lächerlich machen.
Für diese Ausstellung wurde das erste Stockwerk vom Archäologischen Institut in München freigemacht und ausgestattet. In sieben Sälen wurden die Kunstwerke aufgehängt, begleitet von Nationalsozialistischen Parolen und anti modernistischen Texten. Die wichtigsten expressionistischen Künstler wurden gezeigt.
In dem ersten Saal konnte man moderne, religiöse Kunst wie zum Beispiel ‘Zyklus zum Leben Christi’ (1911/12) von Emil Nolde sehen. Im zweiten Saal wurden jüdische Kunstwerke gezeigt mit dazu geschriebenen Parolen: ‘Jüdisch, zu jüdisch’.
Im dritten Saal hingen Gemälde, die deutsche ländliche Gebiete und die deutsche Armee darstellen. Parole an der Wand behaupteten, dass die Künstler die Bauern und die Soldaten lächerlich machten, wie zum Beispiel im Werk von Otto Dix. Er hatte es gewagt, deutsche Verletzte aus dem Ersten Weltkrieg zu malen.
Der Katalog lässt sich wie ein Pamphlet lesen. Man kann darin lesen, warum die gezeigte Kunst als entartet angedeutet wird. Erstens zeige die moderne religiöse Kunst die jüdische Traditionen. Zweitens seien moderne Künstler Bolschewisten, die einen marxistischen Klassenkampf propagieren würden. Drittens würden sie die schwarze Rasse ehren. Viertens seien alle Kunstströmungen, die auf -ismus enden, misslungen.
Obwohl die moderne Kunst von den Nationalsozialisten auf schreckliche Weise angegriffen wurde, war es vor allem eine Ausstellung mit einer Sammlung der größten und schönsten Werke der Welt. In vier Monaten haben zwei Millionen Menschen die Ausstellung besucht. Damit wurde sie die meistbesuchte Ausstellung je. Der größte Teil dieser Werke sind nachher verbrannt worden. Ein kleiner Teil wurde 1939 von den Nationalsozialisten ins Ausland verkauft, damit sie Devisen kaufen konnten.
Nicht nur Gemälde und Skulpturen wurden als entartet bezeichnet. Es gab auch ‘entartete Musik’. In 1938 wurde eine Ausstellung mit entarteter Musik organisiert. In dieser Ausstellung wurden Bilder und Partituren von Komponisten, die laut der Nationalsozialisten ein Beispiel für das 'Abbild des Triumphs von Untermenschentum, arroganter jüdische Frechheit' waren. Damit wurden fast alle jüdische Komponisten gemeint.
Es gab allerdings auch Schriftsteller, die als entartet umschrieben wurden. Ihre Bücher wurden 1933 verbrannt. Man durfte nur nationalsozialistische Literatur verfassen, die die nationalsozialistische Ideologie, Krieg und soldatisches Heldentum idealisierte.
1935 wurde die letzten jüdischen Autoren aus der Reichskulturkammer geschlossen. Das bedeutete, dass ihre Bücher verboten waren und sie keine Bücher mehr verfassen durften. Die Schriftsteller, die Deutschland zu diesem Zeitpunkt schon verlassen hatten, schrieben Exil- und Widerstandsliteratur mit politischen Schriften und Romanen gegen das Naziregime (Berthold Brecht).
Es gab auch Autoren, die, obwohl sie mit dem Nationalsozialistischen Regime nicht einverstanden waren, in Deutschland blieben. Sie durften weiter publizieren, aber viele zogen sich zurück ins Private und leisteten damit passiver Widerstand. Man nennt diese Haltung ‘die innere Emigration’ (Erich Kästner).
Nach dem Krieg setzten die beiden Gruppen (Emigrierte und Daheimgebliebene) sich auseinander. Jede Gruppe behauptete, dass sie damals die richtige Wahl getroffen hätte.
Sieben Säle, später neun Säle in dem ‘Archäologischen Institut’ in München, wurden mit ‘entarteter’ Kunst ausgestattet. Es wurden ungefähr 650 Werke aus 32 Museen gezeigt. Bei den Werken wurden auf die Wand Parole geschrieben. Nur zehn Prozent der Werke war jüdisch. Es gab auch Werke von richtigen, deutschen Patrioten, wie Franz Marc und Ernst Ludwig Kirchner, die während des Ersten Weltkriegs an der Front gewesen waren.
Mehr zu dieser Ausstellung? Schauen Sie sich das Video ohne Ton an.