Während des Lebens von Schiller (1759 - 1805) vollzogen sich in Europa große Veränderungen. Der Absolutismus kam zu ein Ende und eine Periode der Aufklärung folgte darauf.
Schiller, ein deutscher Jura- und Medizinstudent, war mit den Aufklärern nicht einverstanden. Er glaubte vielmehr an Schönheit und weniger an der Vernunft. Er glaubte, das Gute im Menschen und die Aufmerksamkeit für Ästhetik, müssten dazu führen , dass die Bürger ihr Schicksal selber in die Hand nehmen würden. Auf diese Weise war es möglich einen idealen Staat zu gründen. Mit dieser Gedanke wurde er zum zentralen Figur des Weimarer Humanismus.
Selbstbestimmung konnte nur erreicht werden mittels Kontemplation und Bildung: politische, wissenschaftliche und gestalterische Entwicklung nach Vorbild der alten Griechen. Er war die Meinung, dass Probleme nur mittels Ästhetik gelöst werden konnten.
Schiller möchte am liebsten ein freier Schriftsteller sein, nur hatte er damit nicht viel Erfolg. Sein Vertrag als Theaterdichter in Mannheim lief aus, er hatte Schulden und war krank. Dann bekam er Briefe von einem Leipziger Freundeskreis, die ihm ihre Bewunderung ausdrückten. Christian Gottfried Körner, Bilder dieses Kreises, lud Schiller in Leipzig ein. Schiller fühlte sich dort sehr gut und schrieb Körner, dass seine Freundschaft und Güte ihm ein Elysium bereitet hatten.
Er schrieb seinen neuen Freunden: "Der Himmel hat uns seltsam einander zugeführt, aber in unserer Freundschaft soll er ein Wunder gethan haben. Eine dunkle Ahndung ließ mich so viel, so viel von Euch erwarten, als ich meine Reise nach Leipzig beschloß, aber die Vorsehung hat mir mehr erfüllt, als sie mir zusagte, hat mir in Euren Armen eine Glückseligkeit bereitet, von der ich mir damals auch nicht einmal ein Bild machen konnte."
In diesem Jahrhundert war der Begriff Freundschaft ein sehr zentrales Thema. Körner hatte die finanziellen Probleme Schillers auf sehr diskrete Weise gelöst, was dazu beitrug, dass er sorgenfrei leben konnte.
1785 schrieb er für seinen Freund Körner die ‘Ode an die Freude’ In diesem Lied schilderte er eine Utopie wo alle Menschen gleich sind und in Frieden miteinander leben. Körner schrieb die Musik dazu.
Nachdem das Lied publiziert wurde, wurde der Text sehr beliebt unter der Bevölkerung. Viele Komponiste haben versucht für dieses Lied die richtige Musik zu schreiben. Manche Fassungen wurden bekannt und beliebt bei den Freimaurern. Es wurde sogar als Trinklied benutzt bei den Studentenvereinen.
Napoleon griff auf gewalttätige Weise in 1789 die Macht. Die erste Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde angenommen. Unter dem Deckmantel: ‘Freiheit, Einheit und Brüderlichkeit’ wurde ein Regime durchgeführt, das nicht weniger grausam war als das letztere.
Ludwig van Beethoven teilte Schillers friedliche Ideen . Die Ode hatte ihn schon seit Jahren fasziniert. ‘Die Ode an der Freude’ wurde als Finale in der 9. Sinfonie eingebaut. Er hat allerdings den Text an manchen Stellen gekürzt oder geändert.
1985 wurde das Lied zur Hymne der Europäischen Union. Die Hymne ist ein Aufruf an die Menschen, sich im Zeichen der Freude zu vereinen, grenzen zu überwinden und sich gegenseitig zu unterstützen. Es ist auch ein Aufruf zur Versöhnung und Völkerverständigung.
Text geht weiter unter dem Video.
Schiller betrachtete seine Ode sehr kritisch und arbeitete sie noch einige Male um. Die letzte Bearbeitung ist die von 1808. Die letzte Strophe wurde ganz gestrichen und die erste Strophe wurde leicht geändert. Bettler werden Fürstenbrüder wurde dann geändert in: alle Menschen werden Brüder.
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was der Mode Schwert geteilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
Chor
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.
Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein;
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja – wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wers nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
Chor
Was den großen Ring bewohnet,
Huldige der Sympathie!
Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte thronet.
Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küsse gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod.
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott.
Chor
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Schöpfer, Welt?
Such ihn überm Sternenzelt,
Über Sternen muß er wohnen.
Freude heißt die starke Feder
In der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
In der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen,
Die des Sehers Rohr nicht kennt.
Chor
Froh, wie seine Sonnen fliegen,
Durch des Himmels prächtgen Plan,
Laufet, Brüder, eure Bahn,
Freudig wie ein Held zum Siegen.
Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Lächelt sie den Forscher an.
Zu der Tugend steilem Hügel
Leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
Sieht man ihre Fahnen wehn,
Durch den Riß gesprengter Särge
Sie im Chor der Engel stehn.
Chor
Duldet mutig, Millionen!
Duldet für die beßre Welt!
Droben überm Sternenzelt
Wird ein großer Gott belohnen.
Göttern kann man nicht vergelten,
Schön ists, ihnen gleich zu sein.
Gram und Armut soll sich melden,
Mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sei vergessen,
Unserm Todfeind sei verziehn,
Keine Träne soll ihn pressen,
Keine Reue nage ihn.
Chor
Unser Schuldbuch sei vernichtet!
Ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
Richtet Gott, wie wir gerichtet.
Freude sprudelt in Pokalen,
In der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmut Kannibalen,
Die Verzweiflung Heldenmut – –
Brüder, fliegt von euren Sitzen,
Wenn der volle Römer kreist,
Laßt den Schaum zum Himmel sprützen:
Dieses Glas dem guten Geist.
Chor
Den der Sterne Wirbel loben,
Den des Seraphs Hymne preist,
Dieses Glas dem guten Geist
Überm Sternenzelt dort oben!
Festen Mut in schwerem Leiden,
Hülfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwornen Eiden,
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen –
Brüder, gält es Gut und Blut, –
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!
Chor
Schließt den heilgen Zirkel dichter,
Schwört bei diesem goldnen Wein:
Dem Gelübde treu zu sein,
Schwört es bei dem Sternenrichter!
Rettung von Tyrannenketten,
Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten,
Gnade auf dem Hochgericht!
Auch die Toten sollen leben!
Brüder trinkt und stimmet ein,
Allen Sündern soll vergeben,
Und die Hölle nicht mehr sein.
Chor
Eine heitre Abschiedsstunde!
Süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder – einen sanften Spruch
Aus des Totenrichters Munde!