Der Bierkrug mit Deckel ist im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Beulenpest entstanden. Bis Ende 1400 trank man Bier aus einem Krug ohne Deckel. Im Sommer vom 15. Jahrhundert überfielen Horden von kleinen Fliegen Mitteleuropa. Verschiedene Fürstentümer in Deutschland schrieben deswegen vor, dass alle Speisen und Getränke abgedeckt werden mussten, damit die Menschen von diesen gefährlichen Insekten geschützt wurden. Jeder Becher sollte also abgedeckt werden. Es wurde ein aufklappbaren Deckel mit Daumenlift erfunden. Das war eine geniale Erfindung, denn man konnte den Becher noch immer mit einer Hand bedienen.
Dieses sogenannte Trinkfäßgesetz war nur eine der Maßnahmen um zu verhindern, dass die Beulenpest zurückkehren konnte. Man hatte mittlerweile festgestellt, dass 95% der Beulenpesttote aus einer schmutzigen Umgebung kam. Man wusste deswegen, dass die Beulenpest mit unhygienischen Bedingungen zu tun hatte.
Ein altes Sprichwort sagt: "Der Deutsche legt großen Wert auf das, worin ihm sein Essen und Trinken gebracht wird”. Jeder Deutsche hatte also sein eigenes Trinkgefäß. Die reichen Leute konnten sich einen Becher aus Zinn oder Silber leisten. Für den Allgemeingebrauch waren diese zu teuer.
Manchmal wurden hölzerne Becher genutzt, aber Steingut wurde am häufigsten verwendet. Das hatte zwei Nachteile: Holz und Steingut brachen leicht und diese Materialien absorbierten das Bier und hinterließen, wenn man sie oft benutzte, einen unangenehmen Geschmack. In wissenschaftlichen Experimente wurde versucht die genutzte Materialien zu verbessern. Bis dann hatte die Römisch-Katholische Kirche es verboten Wissenschaft zu treiben.
Während der Pest behauptete die Kirche, dass allein das Gebet die Pest beenden konnte, und dass die Offenbarung begonnen hatte. Die Kirche verlor allmählich ihren Einfluss auf die Öffentlichkeit und wissenschaftliche Ansichten begannen sich durchzusetzen.
Es gelung den Leuten einen Mehr-Etagenofen zu bauen, in dem man die Temperatur erhöhen konnte. Dadurch wurde das Steingut mehr Feuchtigkeit entzogen und wurde das Material härter. Dieses Material wird Steinzeug genannt. Obwohl Steinzeug viel teurer zu produzieren war, hatte es viele Vorteile: Es war widerstandsfähig gegen Risse, splitterte nicht und war nicht porös, wodurch es viel hygienischer war als Steingut. (Dolzan, n.d.)
Weil die Produktion von Steinzeug so kostspielig war, und jeder sein eigenes Trinkgefäß hatte, war es interessant diese Gegenstände aufwändig zu dekorieren. Viele Renaissancekünstler machten Zeichnungen für die Reliefdarstellungen auf den verschiedenen Bierkrügen. Die ersten Dekorationen stellten Wappen und historische oder biblische Szenen dar. Das Biertrinken wurde so auch ein Augenschmaus und der persönliche Krug wurde zum Statussymbol, den man stolz vorzeigen konnte. Im 16. und 17. Jahrhundert gab es für jede Region einen Krug mit typischer Form. Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Krüge aus dem Süden breit und wuchtig, während die aus dem Norden hoch und schmal waren. Im Westen verwendete man graues Steinzeug mit blauen Zeichnungen, im Osten war das Steinzeug bräunlich.