Im Mittelalter durfte man nur unter bestimmte Bedingungen in der Stadt wohnen. Durch die Beulenpest waren viele Menschen (Bauern und Bürger) gestorben und in den Städten wurden jetzt alle Menschen, die das wollten, aufgenommen. Man wollte so viel wie möglich Menschen in der Stadt behalten. Weil es weniger Menschen gab, war auch ein Überschuss an Nahrungsmitteln, vor allem Getreide, entstanden. Ein großer Teil dieses Getreide wurde zum Bier gemacht.
Wo früher das Bier vor allem in den Dörfern gebraut wurde, entwickelte sich die Braukunst jetzt auch in den Städten. Bier hatte für die armen Leute eine große Bedeutung. Es wurde schon früh am Morgen getrunken und sogar benutzt um Suppe zu kochen. Das Brauen von Bier und das Backen von Brot war eine Frauenangelegenheit. Die Privathäuser, wo das Bier gebraut wurde, waren aus Holz. Weil man Feuer braucht um zu brauen, bestand ein permanentes Feuergefahr, wodurch das Heimbrauen verboten wurde. Stattdessen wurde das Bier in sogenannten Gemeinschafts-Backhäusern hergestellt. Dort durfte jeder nach einer festgelegten Reihenfolge brauen.
Weil die Anzahl der Brauereien zunahm, führten die Landesfürsten ein Bierrecht ein. Die Städte führten das Grutrecht (Grut hieß damals die Bierwürze) ein, in welchem die Abgaben festgelegt waren, die ein Brauer leisten musste. Ohne dieses Grutrecht durfte man nicht brauen. Grut bestand aus verschiedenen Kräutern, und Hopfen gehörte nicht dazu. Man durfte keinen Hopfen verwenden, denn dann wurde das Grutrecht nicht notwendig sein.
Die Grutmischung war jedesmal anders und es waren auch giftige Kräuter dabei, die zum Beispiel Halluzinationen erzeugten beim Biertrinker. Weil man das damals nicht wissenschaftlich erklären konnte und Frauen das Bier brauten, bekamen sie die Schuld. Sie wurden “Brauhexen” genannt. Die letzte Verbrennung einer „Brauhexe“ erfolgte im Jahre 1591. Dies kann man wohl als den „finstersten“ Aspekt der Bierherstellung ansehen.
Das Ende dieses Aberglaubens kam mit der Verwendung von Hopfen. Obwohl man dies verboten hatte, setzte sie allmählich durch. Das Brauprozess wurde stabiler, das Bier haltbarer und klarer. Das damalige Bier hatte den heutigen Geschmack und sah auch so wie heute aus.
Um die Qualität der Brauerei Ergebnisse konstant zu halten, erließ 1516 der bayerische Herzog Wilhelm IV das sogenannte Reinheitsgebot. Hierdurch wurde festgelegt, dass zur Herstellung von Bier nur Gerste, Hopfen und reines Wasser benutzt werden durften. Gerade weil die Qualität sich verbessert hatte, nahm der Export von Bier zu. Es entstanden Brauzentren. Um 1500 zählte nur Hamburg schon 600 Brauereien.
Weil im Süden Deutschlands viele Weinberge waren, wurde dort vor allem Wein produziert. Man durfte dort sogar kein Bier brauen. Bier wurde dort nur in manchen Klöstern gebraut, weil die Klöster schwer zu strafen waren. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wurden fast alle nördliche Brauereien und die südlichen Weinberge zerstört. Nur ein paar Brauereien in Klöstern im Süden Deutschlands überlebten diesen Krieg und so wurde Bayern unabsichtlich das Bierland von Zentraleuropa. Bier wurde, statt Wein und Apfelsaft, das wichtigste Getränk in Deutschland.